Wolfsnews

Pressemitteilung vom 21.12.2015
Feuer Frei auf die Calanda-Wölfe: Unnötig und nutzlos
Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) stimmt der Tötung von zwei Wölfen am Calanda zu. Damit sollen die Wölfe wieder scheuer werden. Die Massnahme ist jedoch verfrüht und dürfte kaum die erhoffte Wirkung zeigen. Nicht der bisherige Schutz der Wölfe hat ihre Nähe zu Siedlungen provoziert, sondern die dort vorhandenen Nahrungsquellen.

Der Abschuss von zwei Jungwölfen am Calanda wird nicht verhindern können, dass sich Wölfe auch in Zukunft Siedlungen annähern. Wölfe sind Kulturfolger und nutzen die verschiedenen Lebensräume der Kulturlandschaft. Siedlungsgebiete sind für sie nur interessant, wenn sie dort wiederholt Nahrung finden. Es ist nicht der Artenschutz, welcher Wölfe in Siedlungen lockt und entsprechend ist es nicht dessen Lockerung, der sie wieder vertreibt.

Jagd auf Wölfe: Keine zielführende Massnahme

Wie gefährlich Wölfe tatsächlich sind und welchen Effekt ihre Bejagung haben kann, wurde verschiedentlich wissenschaftlich untersucht. Es wurden u.a. folgende Feststellungen gemacht:

- Wölfe sind grundsätzlich ungefährlich, Angriffe kommen nicht häufiger vor als bei vielen anderen Wildtieren. Es geht keine erhöhte Gefährdung von ihnen aus.

- Wolfsangriffe waren meistens bedingt durch Tollwut oder durch regelmässige Fütterung der Wölfe, also durch vermeidbare Ursachen.

- Alle Angriffe in Europa und Amerika geschahen ausnahmslos in regulär und oft intensiv bejagten Wolfspopulationen, in keinem Fall aber in solchen, die einen gesetzlichen Schutz geniessen.

- Die Bejagung von Wölfen führt zu signifikant mehr Schäden an Nutztieren, wie Beispiele aus den USA und Spanien zeigen. Der Grund dafür dürfte sein, dass mit der Bejagung Rudelstrukturen zerstört werden können.

Die Akzeptanz für Wölfe sinkt und die Wilderei steigt, wenn sie zur Bejagung freigegeben werden.

Gemäss den Vorgaben für Wolfsabschüsse in der Jagdverordnung (Art 4 Abs 3 JSV) sind solche Eingriffe nur zulässig, wenn sich Wölfe “aus eigenem Antrieb“ Siedlungen nähern. In Anbetracht der offenkundigen Nutzlosigkeit von Abschüssen und in Anbetracht der klaren Indizien, dass vorhandene Futterquellen Wölfe in Siedlungsnähe locken, sind Abschüsse unverständlich und rechtlich fragwürdig.

Auskünfte:
David Gerke, Präsident Gruppe Wolf Schweiz
Tel. 079 305 46 57, david.gerke@gruppe-wolf.ch

Wissenschaftliche Quellen zum Thema Gefährlichkeit und Bejagung:
Treves, A. et al. 2013. Longitudinal Analysis of Attitudes Toward Wolves. Conservation Biology 27 :315-323.
Norst institutt for naturforskning NINA, 2002. The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans.
Wielgus R. and K. Peebles, 2014. Effects of wolf mortality on livestock depredations. PLoS ONE.


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