Wolfsnews

News vom 30.11.2017
Aktueller Wolfsbestand im Alpenraum
Eine provisorische Auswertung aller verfügbaren Monitoringdaten aus den Alpenländern durch die Gruppe Wolf Schweiz (GWS) zeigt, dass im laufenden biologischen Jahr 2017-2018 von einem Wolfsbestand von 90 Rudeln ausgegangen werden kann. Dies entspricht einer Zunahme von 15 Rudeln gegenüber dem Vorjahr. Diese Auswertung stellt den einzigen aktuellen und detaillierten Überblick über die Grösse und Verbreitung der Population des Wolfes in den Alpen dar. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass diese Daten provisorisch sind, das biologische Jahr läuft noch - es können somit noch immer neue Rudel nachgewiesen werden oder bestehende verschwinden. Nicht enthalten sind in dieser Auswertung Wolfspaare und Einzeltiere. Nicht in allen der festgestellten Rudel konnte in der Auswertungsperiode eine Reproduktion nachgewiesen werden. Als Rudel gelten für die Auswertung territoriale Wolfsvorkommen mit drei oder mehr Tieren.

Der Schwerpunkt der Rudelverbreitung liegt weiterhin in den Südwestalpen in Frankreich und Italien bis in die Schweiz hinein. Auffällig ist die deutliche Zunahme der Wolfsrudel von zwei auf fünf in den Ostalpen in der italienischen Provinz Venezien, wo sich offenkundig ein neues zusammenhängendes Wolfsvorkommen bildet. Die Präsenz mehrerer Paare im vergangenen biologischen Jahr deutete bereits auf diese neue Rudelbildung hin. Die Aufteilung der Rudel auf die Länder im Alpenraum ist wie folgt:

  • Frankreich: 52 (davon 4 grenzüberschreitend mit Italien)
  • Italien: 37 (davon 4 grenzüberschreitend mit Frankreich)
  • Schweiz: 4
  • Slowienien: 1
  • Diese Zahlen verstehen sich ohne die weiteren Rudel in den jeweiligen Ländern (Slownischer Balkan, Italienischer Apennin).

    Eine aktuelle Verbreitungskarte der Rudelverbreitung steht nachfolgend zur Verfügung. Nicht eingezeichnet sind die benachbarten Wolfspopulationen des Apennins und des Balkans. Wölfe alpinen Ursprungs kommen zwar auch ausserhalb der Alpen vor, bilden dort aber aktuell keine Rudel (z.B. Zentralmassiv, Jura, Vogesen, Lothringen). Eine Ausnahme ist der Nationalpark Bayerischer Wald, wo sich ein reproduzierendes Rudel etabliert hat, bei dem der Rüde aus der Alpenpopulation stammt (ausserhalb des gewählten Kartenausschnittes).

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    Zur Methodik

    Die Monitoringaktivitäten in den Alpenländern unterscheiden sich teilweise erheblich. Insbesondere die Frequenz, die Intensität und die Kommunikation sind verschieden. Die Auswertung der GWS nutzt alle verfügbaren Daten. Für Frankreich wird insbesondere das Bulletin d'information du réseaux loup (Ausgabe Bilan du suivi hivernal de la population des loups / Hiver 2016-17) sowie das Flash info (Ausgabe Bilan du suivi estival de la population de loups - Eté 2017) beigezogen. Für Italien, wo der Schwerpunkt der Population im Piemont liegt, dient der Bericht Lo status del lupo in Regione Piemonte 2014-16 als Grundlage. Aus dem Piemont liegen bisher noch keine aktualisierten Daten des laufenden Jahres vor, weshalb auf die letztjährigen Daten zurückgegriffen werden muss. Womöglich wird dadurch der Wolfsbestand leicht unterschätzt, da allfällige weitere Rudelbildungen nicht in unseren Zahlen enthalten wären. Die Daten aus weiteren Provinzen (Aosta, Ligurien, Lombardei, Venezien, Trentino, Südtirol, Friaul) werden aus weiteren Berichten und Publikationen ergänzt. Aus Slowenien liegen nur wenige Daten zu den Wölfen in den Alpen vor, da sich der Schwerpunkt der dortigen Population im Balkan aufhält. Aus der Schweiz liegen eigene Daten sowie solche der KORA und der Kantone vor.

    Bestände von Wildtieren lassen sich nur ausnahmsweise exakt zählen. Mittels verschiedener Ansätze lassen sie sich aber zuverlässig schätzen. Beim Wolf haben langjährige Praxiserfahrungen verschiedener Wissenschaftler in mehreren Ländern Europas und Nordamerikas gezeigt, dass sich die effektive Bestandesgrösse etwa aus der Anzahl der Rudel multipliziert mit dem Faktor 10 ergibt. In dieser Zahl sind auch Wolfspaare und Einzeltiere enthalten.

    Die aktuelle Zahl der Wölfe in der Schweiz beträgt somit rund 40 Tiere. Im gesamten Alpenraum leben rund 900 Wölfe.

    Gegenüber den Angaben der GWS zur Alpenpopulation vom letzten Jahr, als 75 Rudel ausgewiesen wurden, hat sich der Bestand gemäss den provisorischen Zahlen um rund 20% erhöht. Dieses Wachstum ist höher als das langjährige Mittel im Alpenraum, liegt jedoch nur im mittleren Bereich dessen, was biologisch beim Wachstum einer Wolfspopulation möglich wäre (30-40%).

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