Wolfsnews

News vom 14.02.2018
Fehlabschüsse von Wölfen und anderen geschützten Arten an Luderplätzen
In den vergangenen Jahren ist es in der Schweiz zu mehreren Fällen von Fehlabschüssen von Wölfen, Luchsen und Goldschakalen an Luderplätzen auf der winterlichen Passjagd gekommen. Die Tiere wurden mit Füchsen, der üblichen Zielart auf der Passjagd, verwechselt. Sollten sich solche Fälle weiter häufen oder die Passjagd gar gezielt für den illegalen Abschuss geschützter Arten missbraucht werden, muss die Existenzberechtigung dieser Jagdmethode ernsthaft hinterfragt werden.

  • Im Februar 2018 wurde im Goms im Kanton Wallis ein weiblicher Wolf irrtümlich auf der Passjagd erlegt. Ein vergleichbarer Fall ereignete sich bereits Anfang 2014 im Domleschg im Kanton Graubünden. In beiden Fällen zeigten sich die Schützen selber an. Auch jener Wolf, welcher im Herbst 1998 tot im Kofferraum eines Autos vor der Kadaversammelstelle in Reckingen im Goms gefunden wurde, wurde nach Angaben eines damals Verdächtigen irrtümlich auf der Passjagd auf den Fuchs erlegt. Anfang 2016 wurde zudem in der Surselva im Kanton Graubünden irttümlich ein Goldschakal auf der Passjagd erlegt. Ein ähnlicher Fall ereignete sich 2010 bei Andermatt im Kanton Uri mit einem versehentlich auf der Passjagd erlegten Luchs. Dies sind die bekannten Fälle, möglicherweise existiert eine Dunkelziffer an nicht gemeldeten Fällen.
  • In Relation zu den insgesamt auf der Passjagd erlegten Füchsen (jährlich mehrere Tausend Tiere) ist diese Zahl an irrtümlich erlegten geschützten Arten gering. Es ist somit unbestritten, dass die ganz überwiegende Mehrheit der Jäger die Passjagd korrekt und im Rahmen des Gesetzes ausübt. Aus Sicht des Arterhalts der geschützten Grossraubtiere können angesichts von deren eher kleinen Beständen jedoch bereits diese wenigen Abschüsse deutlich negativ wirken.
  • Es wird teilweise die Befürchtung geäussert, die Passjagd könnte gezielt für den widerrechtlichen Abschuss geschützter Grossraubtiere missbraucht werden und mittels einer Selbstanzeige könnte der Täter einer schmerzhaften Strafe entgehen. Bisher liegen der Gruppe Wolf Schweiz für diese These bei den bekannten Fällen keine Indizien vor. Jedoch kann ein solcher Missbrauch im Einzelfall nicht ausgeschlossen werden.
  • Die Gruppe Wolf Schweiz äussert sich nicht für oder gegen die Jagd auf den Rotfuchs, hält jedoch fest, dass für diese kaum eine ökologische Begründung angeführt werden kann. Somit sieht sie auch keine hinreichende Notwendigkeit für die Passjagd gegeben.
  • Die Gruppe Wolf Schweiz äussert sich zu jagdlichen Themen nur dort, wo sie die Koexistenz mit Grossraubtieren betreffen. Dies ist bei der Passjagd, basierend auf obigen Ausführungen, der Fall. Die Passjagd als solches wird nicht grundsätzlich infrage gestellt. Sollten sich jedoch die Fälle von irrtümlichen Abschüssen geschützter Grossraubtiere häufen oder sich gar ein regelmässiger Missbrauch der Passjagd zur gezielten Tötung der Grossraubtiere einstellen, wird sie sich für Verschärfungen der Vorschriften (härtere Strafen auch bei Selbstanzeigen, räumliche Einschränkung der Passjagd in Grossraubtiergebieten, etc.) oder, als letzte Lösung, gar für eine Aufhebung dieser Jagdart einsetzen.

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