Wolfsnews

News vom 01.07.2018
Informationen zum Beiss-Vorfall mit einem mutmasslichen Wolf in Polen
Im südostpolnischen Bieszczady-Gebirge wurden Mitte Juni eine Frau und zwei Wochen später zwei Kinder von einem grossen Caniden gebissen, bei dem es sich um einen Wolf handeln dürfte. Das Tier wurde nach dem zweiten Angriff umgehend erschossen. Bei allen Verletzungen handelt es sich nur um oberflächliche Kratzer und Wunden, die ambulant ärztlich versorgt werden konnten. Die drei Angriffe geschahen im selben Gebiet im Umkreis eines Campingplatzes, wo der mutmassliche Wolf mehrfach gesehen wurde und gefilmt werden konnte. Das Tier suchte dort offensichtlich nach Nahrung, die es auch fand. Die genetische Analyse ist noch nicht beendet, die Videoaufnahmen des Tieres in guter Qualität lassen jedoch die Vermutung zu, dass es sich tatsächlich um einen Wolf gehandelt haben dürfte.

Die Gruppe Wolf Schweiz hält dazu fest, dass Wolfsangriffe ausgesprochen selten sind, aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden können. Bei kaum einem anderen Tier wurden die Ursachen für Angriffe derart intensiv wissenschaftlich untersucht wie beim Wolf. Mehrere Publikationen aus Europa und Nordamerika widmen sich dem Thema. Dabei konnte klar gezeigt werden, dass von gesunden wildlebenden Wölfen faktisch keine Gefahr für den Menschen ausgeht. Die wenigen bekannten Angriffe konnten quasi immer auf zwei Ursachen zurückgeführt werden:

  • Tollwut
  • Futterkonditionierung
  • Der Beiss-Vorfall in Polen wurde offensichtlich von einem stark futterkonditionierten Wolf verursacht. Das heisst, von einem Wolf, der gelernt hat, dass er beim Menschen Futter findet und deshalb sehr gezielt solche menschlichen Futterstellen aufsucht. Solche futterkonditionierten Wölfe waren auch in Nordamerika bereits für ähnliche Vorfälle verantwortlich. Fast immer geschehen diese im Umfeld von Campingplätzen bei touristischen Zentren, insbesondere bei Nationalparks. Wölfe suchen dort nach Nahrungsresten von Menschen und wenn sie keine finden, probieren sie sich diese selber beim Menschen zu holen.

    Oberstes Gebot für die Verhinderung solcher Zwischenfälle ist daher die Eliminierung von Situationen, bei denen Wölfe beim Menschen Futter finden. Über die Problematik im Zusammenhang mit Futterstellen, die Wölfe potentiell mit dem Menschen verbinden könnten, informiert die Gruppe Wolf Schweiz schon länger. Teil dieser Informationskampagne ist insbesondere auch der Einsatz gegen siedlungsnahe Luderplätze für die Fuchsjagd im Wolfsgebiet. Werden trotzdem eindeutig futterkonditionierte Wölfe festgestellt, sollten diese auch aus Sicht der Gruppe Wolf Schweiz umgehend abgeschossen werden. Meist handelt es sich dabei um nicht reproduzierende Jungtiere, die für den Bestand keine unmittelbare Bedeutung haben. Deren Vergrämung gestaltet sich zudem schwierig, entsprechende Erfahrungen sind weltweit nur wenige vorhanden. In Polen wurde der mutmassliche Wolf zwar bereits nach dem ersten Beiss-Vorfall zum Abschuss freigegeben werden, konnte jedoch nicht erlegt werden. Ein schnelleres und entschlosseneres Handeln bereits bei den ersten Anzeichen der Futterkonditionierung hätte diese Zwischenfälle vermutlich verhindern könnnen.

    Es ist darauf hinzuweisen, dass eine derartige Futterkonditionierung nicht zu verwechseln ist mit einer Habituierung. Habituation ist die Anpassung des Verhaltens von Wildtieren an die menschliche Präsenz, die auch die Schweizer Wölfe zeigen. Ausnahmslos alle Wildtiere in der Kulturlandschaft sind habituiert, weil sie sonst gar nicht überleben könnten. Das trifft insbesondere auch auf zahlreiche jagdbare Wildtiere wie Rehe, Rotfüchse oder Rabenkrähen zu. Jagd verhindert die Habitierung nicht. Auch die Futterkonditionierung lässt sich durch die Jagd nicht verhindern. Die Wölfe im polnischen Bieszczady-Gebirge, wo der Vorfall geschah, sind Teil der grossen Wolfspopulation der Karpaten, die in den meisten Ländern einer intensiven Bejagung unterliegt.

    > Weitere Informationen zum Thema der Gefährlichkeit für Menschen

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