Wolfsnews

News vom 17.04.2011
Stellungnahme zum vermeintlichen "Wolfsangriff" in Schweden
Am Sonntag und Montag (17. + 18. April 2011) sind in verschiedenen deutschsprachigen Medien Berichte über einen Wolfsangriff in Schweden nachzulesen. In diesen Berichten entsteht fälschlicherweise der Eindruck, dass es sich um einen Angriff auf Menschen gehandelt hat. Dies ist nicht korrekt und wird hier richtig gestellt.

Zum Ablauf des "Angriffs":
Eine Familie mit Mann, Frau und Kleinkind war am Sonntagmorgen mit ihrem Wachtelhund (Jagdhund) in einem Waldgebiet nördlich von Stockholm unterwegs. In diesem Gebiet lebt ein Wolfsrudel mit aktuell 3-4 Wölfen, das sog. Riala-Revier. Der Hund wurde nicht an der Leine geführt. Es tauchten zwei Wölfe auf, wovon einer umgehend den Hund angriff und verschleppte (der Hund wurde später tot aufgefunden). Der zweite Wolf blieb anfänglich in sichtweite der Familie. Als die Frau laut begann zu sprechen und die Arme bewegte, verliess auch dieses Tier die Stelle umgehend. Zu keinem Zeitpunkt zeigte einer der beiden Wölfe agressives Verhalten gegenüber der Familie oder griff gar an.

Zum Grund des "Angriffs":
Dass Wölfe gelegentliche Hunde attackieren, ist bekannt und wurde oft dokumentiert. Dafür gibt es zwei mögliche Erklärungen: Revierverteidigung (der Hund als Eindringling) oder Beute machen (der Hund als Beutetier). Verhältnismässig oft Opfer von Wölfen werden Jagdhunde, da diese im Einsatz direkt in Wolfsgebiete eindringen. Dagegen dürften Angriffe zwecks Beute machen viel seltener sein, da Wolf und Hund der gleichen Art angehören, sich aber nur ausnahmsweise kannibalisch ernähren.

Zur Gefährlichkeit des Wolfs für Menschen:
Wie erwähnt handelte es sich im vorliegenden Fall nicht um einen Angriff auf Menschen. Diese stellen eine absolute Ausnahme dar und wurden in Europa seit vielen Jahren nicht mehr sicher dokumentiert. Der letzte bestätigte Fall von tödlichen Angriffen von wildlebenden Wölfen auf Menschen ereignete sich in den 1970er Jahren in Spanien. In Italien und Frankreich, wo die Schweizer Wölfe herkommen und wo Wolf und Mensch in der selben Landschaft leben und es oft zu Begegnungen kommt, wurden gar seit mehreren Jahrhunderten keine Angriffe mehr dokumentiert. Die wenigen dokumentierten Fälle von Wolfsangriffen in den letzten Jahrzehnten ereigneten sich vornehmlich in Nordamerika und konnten auf zwei Ursachen zurückgeführt werden: Tollwut und Futterkonditionierung (bedingt durch Fütterung von Wölfen durch Menschen). Beide Gefahren drohen in der Schweiz zurzeit nicht und können durch einfache Massnahmen auch in Zukunft verhindert werden. Angriffe zwecks Beute machen kommen praktisch nicht vor. Der Mensch als aufrecht gehende Spezies fällt nicht in das Beuteschema des Wolfs.

Wolfsnews
Pressemitteilungen