Wolfsnews

News vom 06.01.2016
Calanda: "Problematisches Verhalten" wird stark übertrieben dargestellt
Die Calanda-Wölfe hätten 2015 mehrfach "problematisches Verhalten (mit Potential zur Gefährdung des Menschen)" gezeigt, heisst es von den Bündner und St. Galler Behörden. Verschiedene Medien berichten in dieser Woche über einen Vorfall, bei dem sich ein Wolf spielenden Kindern angenähert habe. Die GWS veröffentlicht nachfolgend den Auszug aus dem Protokoll der Vorfälle und analysiert diese Situation

Bargis (Flims), 18.07.2015
Protokoll WH (...): „Meine Familie und ich verbrachten eine Ferienwoche in unserer Hütt in Bargis. Am 15.7. fing die Bergheuet an und der ganze Bargisboden wurde gemäht und die Ernte einen Tag später in Siloballen verpackt. Ab dem 17.7. wurde es wieder ruhiger und unsere Buben genossen es, frei über die frisch gemähten Wiesen zu laufen. Am 18.7. nachmittags spielten unsere Söhne mit einem Ball. Als ich nach ihnen schaute, sah ich etwas auf der Wiese liegen, das ich bis dahin nicht wahrgenommen hatte. Einen Blick durch den Feldstecher liess mich einen Wolf erkennen, der ruhig auf der frisch gemähten Wiese in der grössten Hitze (28°C) lag.
Ich ergriff den Fotoapparat und marschierte zu den Kindern; zusammen liefen wir in Richtung Wolf. Erst als wir ca. 80 m vom Tier entfernt waren, reagierte es auf uns und floh Richtung Gebüsch.
Darauf sagte ich meinem älteren Sohn, er solle den Jäger (...) holen gehen, der ebenfalls in seiner Jagdhütte in den Ferien war. Ca. 2 min später trafen der Jäger (...) und mein Sohn wieder bei mir ein. (...) und meine beiden Söhne blieben zurück und ich folgte dem Wolf ins Gebüsch. Ich hörte, dass der Wolf wenige Meter (10-12 m) vor mir war und sich wegschlich. Wenige Sekunden später gelang es mir, den Wolf ca. 10 sek lang zu filmen.
Der Jäger (...) stand auf der frisch gemähten Wiese und konnte den Wolf ca. 8 sek lang aus einer Distanz von ca. 100 m beobachten. Der Wolf trabte und blieb auf halber Strecke stehen (ca. 3 sek) und erst dann rannte der Wolf weiter und verschwand im Gebüsch.
Es konnte von niemandem beobachtet werden, dass sich der Wolf aktiv an die Buben genähert hatte. Als ich ihn das erste Mal gesehen hatte, lag er bereits ruhig ca. 160 m hinter unseren Söhnen.
Ich habe nicht versucht, den Wolf zu vertreiben. Wir näherten uns, um allenfalls Fotos des Wolfes zu machen.
Distanz der Kinder zur Hütte ca. 120 m
Distanz der Kinder zum Wolf ca. 160 m
Kürzeste Distanz von mir zum Wolf ca. 12 m“


> Link zum Protokoll

Ein solcher Vorfall ist nach Ansicht der GWS völlig unprobelatisch und hat keinesfalls das Potential zur Gefährdung des Menschen. Dies ist insbesondere begründet durch folgende Tatsachen:
  1. Zum Zeitpunkt des Vorfalles war es durchaus ruhig in diesem Gebiet, die Heuet war vorbei. Fühlen sich Wölfe sicher, können sie ihren Tageseinstand durchaus auch im offenen Gelände wählen.
  2. Es fand keine aktive Annäherung des Wolfes an Menschen statt.
  3. Es fand eine aktive Annäherung des Menschen an den Wolf statt.
  4. Die Distanz des Wolfes zu den Menschen betrug 160 Meter. Dies ist völlig unkritisch. Selbst beim Braunbären, wo im Vergleich zum Wolf Angriffe auf Menschen tatsächlich regelmässig vorkommen, gelten Begegnungen erst aber einer Distanz von weniger als 30 Metern (!) als potentiell problematisch. Es ist daher völlig unverständlich, eine Distanz von 160 Metern beim Wolf als problematisch einzustufen.
  5. Der Wolf ergriff die Flucht, als die Menschen 80 Meter von ihm entfernt waren, und versteckte sich.
  6. Auch als der Wolf in seinem Versteck aufgesucht und gestört wurde, reagierte er mit Flucht. Dass die Fluchtdistanz im Versteck deutlich geringer war als im offenen Feld, ist aufgrund der vorhandenen Deckung natürlich.
  7. Der Wolf reagierte zu keinem Zeitpunkt mit Verteidigungsverhalten, geschweige denn mit Aggression.


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