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Pressemitteilung vom 11.02.2016
Calanda-Wölfe werden angelockt: Abschussgrund hinfällig
Noch bis Ende März haben die Wildhüter am Calanda Zeit, zwei Jungwölfe aus dem Rudel zur Strecke zu bringen. Begründet wird dies mit der mangelnden Scheu und der mehrfachen Annäherung an Siedlungen. Dieses Verhalten muss aus eigenem Antrieb erfolgen. Wie neue Erkenntnisse der Gruppe Wolf Schweiz (GWS) und Recherchen der SRF Rundschau zeigen, werden Wölfe aber bis heute durch Luderplätze (Futterstellen für Füchse) und entsorgte Tierkörper in Siedlungsnähe gelockt. Damit wird der Abschussgrund hinfällig.

Gemäss der vergangenes Jahr revidierten eidgenössischen Jagdverordnung, dürfen Wolfsrudel durch den Abschuss von Jungtieren reguliert werden, wenn sie sich aus eigenem Antrieb mehrfach Siedlungen und Menschen annähern und dabei mangelnde Scheu oder gar aggressives Verhalten zeigen. Erkenntnisse der Gruppe Wolf Schweiz (GWS) und Recherchen der SRF Rundschau zeigen jedoch, dass auch in den vergangenen Wochen an mehreren Standorten im Streifgebiet des Calandarudels sogenannte Luderplätze und Teile von Tierkörpern in Siedlungsnähe zu finden waren. Diese Tatsachen stehen im Gegensatz zu den offiziellen Beteuerungen der kantonalen, zuständigen Behörden. Auch aus dem Puschlav liegen Meldungen von ausgelegten Tierkadavern vor. Dort wurde 2013 der “Risikobär“ M13 erlegt, weil er die Scheu vor dem Menschen verlor, 2014 befand sich M25 an der Schwelle zum “Problembär“.

Abschussgrund durch neue Fakten hinfällig

Für die GWS ist klar, dass Luderplätze und entsorgte Tierkadaver ein wesentlicher Grund sind, weshalb die Wölfe am Calanda wiederholt in Siedlungsnähe auftauchten. Dass Wölfe am Calanda Luderplätze aufsuchten, ist eine Tatsache. Auch die Jagdpraxis aus anderen Ländern, wo die Wolfsjagd bevorzugt an Luderplätzen ausgeübt wird, zeigt, dass sich Wölfe durch solche Plätze anlocken lassen. Die Annäherung der Calandawölfe an den Menschen erfolgte damit nicht nur aus eigenem Antrieb, sondern wurde provoziert. Der Begründung für die Abschussbewilligung zweier Jungwölfe ist damit hinfällig.

Es gilt ferner festzuhalten, dass das Wolfsverhalten am Calanda nicht unnatürlich ist. Wölfe in der Kulturlandschaft nutzen Infrastrukturen des Menschen als Teil ihres Lebensraumes. In keinem der als problematisch eingestuften Vorfälle mit Wölfen am Calanda haben sich diese dem Menschen bewusst angenähert. Das Verhalten der Calandawölfe, welches noch nie zu einer Gefährdung des Menschen führte, kann als normales Wolfsverhalten in der Kulturlandschaft interpretiert werden.


Auskünfte:
David Gerke, Präsident Gruppe Wolf Schweiz
Tel. 079 305 46 57, david.gerke@gruppe-wolf.ch


Dokumentationen einiger Luderplätze:
> Dokumentation Luderplatz Domat/Ems
> Dokumentation Luderplatz Kunkels
> Dokumentation Luderplatz Vättis
> Dokumentation Luderplatz San Carlo

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> Medienbereich und Bildgalerie

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