Wolfsnews

News vom 03.11.2018
Wolfsbestand im Alpenraum 2017-18: Definitive Zahlen
Die Auswertung aller verfügbaren Monitoringdaten aus den Alpenländern durch die Gruppe Wolf Schweiz (GWS) zeigt, dass im biologischen Jahr 2017-2018 (1. Mai 2017 bis 30. April 2018) von einem Wolfsbestand von 98 Rudeln ausgegangen werden kann. Dies entspricht einer Zunahme von 23 Rudeln gegenüber dem Vorjahr. Diese Auswertung stellt den einzigen aktuellen und detaillierten Überblick über die Grösse und Verbreitung der Population des Wolfes in den Alpen dar. Nicht enthalten sind in dieser Auswertung Wolfspaare und Einzeltiere, in der Bestandesschätzung (siehe unten) sind diese aber enthalten. Nicht in allen der festgestellten Rudel konnte in der Auswertungsperiode eine Reproduktion nachgewiesen werden. Als Rudel gelten für die Auswertung territoriale Wolfsvorkommen mit drei oder mehr Tieren.

Der Schwerpunkt der Rudelverbreitung liegt weiterhin in den Südwestalpen in Frankreich und Italien bis in die Schweiz hinein. Auffällig ist die deutliche Zunahme der Wolfsrudel in den Ostalpen in der italienischen Provinz Venezien, wo sich offenkundig ein neues zusammenhängendes Wolfsvorkommen bildet. Die Präsenz mehrerer Paare im vergangenen biologischen Jahr deutete bereits auf diese neue Rudelbildung hin. Die Aufteilung der Rudel auf die Länder im Alpenraum ist wie folgt:

  • Frankreich: 57 (davon 4 grenzüberschreitend mit Italien)
  • Italien: 40 (davon 4 grenzüberschreitend mit Frankreich)
  • Schweiz: 4
  • Slowienien: 1
  • Diese Zahlen verstehen sich ohne die weiteren Rudel in den jeweiligen Ländern (Dinarische Population im Süden Sloweniens, Italienischer Apennin).

    Eine aktuelle Verbreitungskarte der Rudelverbreitung steht nachfolgend in guter Qualität zur Verfügung. Nicht eingezeichnet sind die benachbarten Wolfspopulationen des Apennins und des Balkans (Dinarische Population). Wölfe alpinen Ursprungs kommen zwar auch ausserhalb der Alpen vor, bilden dort aber aktuell keine Rudel (z.B. Zentralmassiv, Jura, Vogesen, Lothringen). Eine Ausnahme ist der Nationalpark Bayerischer Wald, wo sich 2017 ein reproduzierendes Rudel etabliert hat, bei dem der Rüde aus der Alpenpopulation stammt (ausserhalb des gewählten Kartenausschnittes).

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    Zur Methodik

    Die Monitoringaktivitäten in den Alpenländern unterscheiden sich teilweise erheblich. Insbesondere die Frequenz, die Intensität und die Kommunikation sind verschieden. Die Auswertung der GWS nutzt alle verfügbaren Daten. Für Frankreich wird insbesondere das Bulletin d'information du réseaux loup sowie das Flash info (Ausgabe Bilan du suivi hivernal de la population de loups / Hiver 2017-2018) beigezogen. Für Italien, wo der Schwerpunkt der Population im Piemont liegt, dient der Bericht Lo status della popolazione di lupo sulle Alpi Italiane 2014-16 als Grundlage. Aus dem Piemont liegen bisher noch keine aktualisierten Daten des biologischen Jahres 2017-18 vor, weshalb die Daten von 2016 mit den gesammelten Meldungen über neue Rudelbildungen ergänzt werden. Die Daten aus weiteren Provinzen (Aosta, Ligurien, Lombardei, Venezien, Trentino, Südtirol, Friaul) werden aus weiteren Monitoringberichten und Publikationen ergänzt. Aus Slowenien liegen nur wenige Daten zu den Wölfen in den Alpen vor, da sich der Schwerpunkt der dortigen Population im Balkan aufhält. Grundlage unserer Angaben ist insbesondere der Monitoringbericht von 2016-17 (Spremljanje varstvenega stanja volkov v Sloveniji v sezoni 2016/2017). Aus der Schweiz liegen eigene Daten sowie solche der KORA und der Kantone vor.

    Bestände von Wildtieren lassen sich nur ausnahmsweise exakt zählen. Mittels verschiedener Ansätze lassen sie sich aber zuverlässig schätzen. Beim Wolf haben langjährige Praxiserfahrungen verschiedener Wissenschaftler in mehreren Ländern Europas und Nordamerikas gezeigt, dass sich die effektive Bestandesgrösse etwa aus der Anzahl der Rudel multipliziert mit dem Faktor 10 ergibt. Verschiedene Autoren empfehlen, mit kleineren Faktoren zu rechnen (Faktor 8 oder 9). In diesen hochgerechneten Zahlen (egal ob mit Faktor 8, 9 oder 10) sind auch Wolfspaare und Einzeltiere enthalten. Sie müssen daher nicht mehr addiert werden.

    Die Zahl der Wölfe in der Schweiz im biologischen Jahr 2017-18 lag somit bei 30 bis 40 Tieren. Im gesamten Alpenraum lebten rund 800-1'000 Wölfe.

    Gegenüber den Angaben der GWS zur Alpenpopulation vom Jahr biologischen Jahr 2016-17, als 75 Rudel ausgewiesen wurden, hat sich der Bestand um rund 30% erhöht. Dieses Wachstum ist signifikant höher als das langjährige Mittel im Alpenraum (10-15%), liegt jedoch im Bereich des bekannten, biologisch möglichen Wachstums von Wolfspopulationen (30-40%). Auch andere Wolfspopulationen, etwa die zentraleuropäische Flachlandpopulation (Deutschland und West-Polen) wachsen in diesem Tempo. Der Anstieg des der Wachstumsrate der Population zeigt, dass sie sich mittlerweile in der Phase des exponentiellen Wachstums befindet. Die Zahl der Wölfe in der Schweiz dürfte daher in den kommenden Jahren stärker zunehmen als dies bisher der Fall war. Bei einer Sättigung der Population, also wenn die geeigneten Lebensräume mehrheitlich besiedelt sind, sinkt die Wachstumsrate wieder oder kehrt sogar ins Negative (Abnahme der Population).

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