Das Wolfsrudel im Mittelwallis

Aktuelle Fakten zur Wolfspräsenz (Stand: 11. Oktober 2018)

  • M73 und F24 bildeten nachweislich bis im Frühling 2018 ein territoriales, reviermarkierendes Paar, das sich 2018 mit grosser Wahrscheinlichkeit fortgepflanzt hat. Ein Nachweis dieser Reproduktion steht aber noch aus. Nicht überprüfbare Sichtbeobachtungen von Wolfswelpen wurden im Juli 2018 aber im hinteren Val d'Anniviers durch Alppersonal gemacht und gemeldet.
  • Im Gebiet Val d'Anniviers, Val de Réchy und Val d'Hérens hat sich 2017 ein Wolfsrudel etabliert. Es handelt sich um das vierte Rudel, welches sich nach der Rückkehr des Wolfes in die Schweiz bildete. Im September 2017 wurden durch den Kanton zwei Welpen nachgewiesen, die mit zwei adulten Wölfen gemeinsam unterwegs waren.
  • Der Nachweis von mehr als zwei Wölfen bereits im Winter Anfang 2017 und der Reproduktionsnachweis 2017 legen nahe, dass sich mindestens ein weiteres geschlechtsreifes Weibchen im Gebiet aufgehalten haben muss. Die Präsenz von vier gemeinsam lebenden Wölfen im Frühling 2017 lässt zudem die Vermutung zu, dass es in diesem Gebiet bereits 2016 eine unbemerkte Reproduktion gegeben haben könnte. Dafür spricht auch die Tatsache, dass das Weibchen F16 bereits im Februar 2016 anhand von Menstruationsblut im Urin bei Zeneggen im Augstbordgebiet genetisch nachgewiesen wurde und bei dieser Situation anhand des Spurenfundes von einem zweiten, nicht identifizierten Wolf begleitet wurde. Sie war also bereits damals während der Läufigkeit und somit während der Aufnahmebereitschaft möglicherweise in Begleitung eines Rüden.
  • Welche Wölfe sich im Gebiet fortgepflanzt haben, ist noch nicht bekannt. Im Winter 2016/17 hielten sich in diesem Gebiet der Rüde M73 und die Fähe F16 als territoriales Paar auf. Jedoch wurde F16 im Februar 2017 illegal abgeschossen. Rüde M73 blieb aber im Gebiet, wie diverse genetische Nachweise in den folgenden Monaten zeigten. Im Oktober 2017 konnte mit Fähe F24 ein zu diesem Zeitpunkt rund 18 Monate altes Jungtier vom Augstbordrudel im Mittelwallis in Begleitung von M73 fotografisch und genetisch nachgewiesen werden. Dieses Weibchen war jedoch in der Fortpflanzungsperiode im Frühling 2017 noch nicht geschlechtsreif und kommt somit nicht als Muttertier des 2017er Wurfes infrage. Eine andere Fähe konnte bisher jedoch mittels Genetik noch nicht nachgewiesen werden.
  • Verschiedentlich wurde die Vermutung geäussert, dass sich das Augstbordrudel 2017 westwärts ins Val d'Anniviers verschoben und dort unbemerkt reproduziert hat. Deshalb sei im Augstbordgebiet selbst kein Nachwuchs festgestellt worden. Diese These ist nicht bestätigt, kann aber auch nicht ausgeschlossen werden. Dafür spricht, dass der Augstbordrüde M59 im Herbst 2017 tatsächlich im Val d'Anniviers, Val d'Hérens und Val d'Hérémence nachgewiesen wurde. Gegen die These spricht, dass der Nachweis der Jungwölfe im Val d'Anniviers im Streifgebiet des Wolfspaares M73 und F24 gelangte und der Augstbordrüde M59 zugleich im selben Zeitraum im Spätsommer und Anfang Herbst 2017 deutlich weiter östlich im Augstbordgebiet nachgewiesen wurde. Die Frage, welche Wölfe sich 2017 im Val d'Anniviers fortgepflanzt haben, wird wohl nicht mehr beantwortet werden können. Da im Winter 2016/17 zwei klar abgegrenzte Streifgebiete von Wolfsrudeln bzw. Paaren nachgewiesen konnten - je eines im Augstbordgebiet und im Mittelwallis - und der Reproduktionsnachweis im Streifgebiet Mittelwallis gelangte, wird für das Jahr 2017 von zwei verschiedenen Rudeln ausgegangen, da bekanntlich auch im Augstbordgebiet drei gemeinsam lebende Wölfe nachgewiesen wurden.
  • Bereits einige Wochen vor der Wilderei von F16 wurden durch Fotofallen drei Wölfe gemeinsam fotografiert, einige Wochen später tappten ebenfalls wieder zuerst zwei, dann sogar vier Wölfe gemeinsam in die Fotofallen. Dabei handelte es sich jedoch nicht um Jungtiere des 2017er Jahrganges. Genetisch konnten diese weiteren Wölfe damals nicht erfasst werden. Der mittlerweile vorliegende Nachweis von F24 lässt die Vermutung zu, dass es sich um Jährlinge des Augstbordrudels gehandelt haben könnte.
  • Im Streifgebiet des Rudels werden mehrere Schafherden gesömmert. Die Mehrheit davon wird aufgrund des anhaltenden Drucks der Wolfspräsenz seit wenigen Jahren konsequent behirtet und nachts eingepfercht. Teilweise sind weitere Massnahmen getroffen worden (z.B. Blinklichter). Dank diesen Massnahmen wurden im Frühling und Sommer 2017 trotz Rudelpräsenz keine Nutztiere gerissen. Im Herbst 2017 gab es einen einzigen Wolfsangriff auf Nutztiere zu verzeichnen. Im Sommer 2018 wurden gehäuft Nutztiere gerissen. Mit wenigen Ausnahmen geschahen diese Risse in Herden ohne Herdenschutz.
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