Luderplätze im Wolfsgebiet

Die GWS erachtet siedlungsnahe Luderplätze im Streifgebiet von Wölfen als problematisch und ist darum bemüht, diese zu dokumentieren und sich für eine Aufhebung einzusetzen. Dies um auch in Zukunft ein konfliktfreies Zusammenleben mit Wölfen zu ermöglichen. Wir bitten darum, uns siedlungsnahe Luderplätze zu melden.

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  • Fakten zur Problematik der Luderplätzen in Siedlungsnähe

    Der Gruppe Wolf Schweiz (GWS) wurde im Nachgang zur Publikation der neuen Erkenntnissen zu siedlungsnahen Luderplätzen im Streifgebiet des Calandarudels Stimmungsmache vorgeworfen. Dies ist nicht zutreffend. Die GWS erachtet siedlungsnahe Luderplätze im Streifgebiet von Wölfen als problematisch und ist darum bemüht, diese zu dokumentieren und sich für eine Aufhebung einzusetzen. Dies um auch in Zukunft ein konfliktfreies Zusammenleben mit Wölfen zu ermöglichen. Luderplätze sind für das Wolfsmanagement aus verschiedenen Gründen ein wichtiges Thema:
    • In einigen Ländern Europas und Nordamerikas ist der Wolf jagdbar. Die Jagd am Luderplatz ist dabei eine der häufigsten Jagdpraktiken (neben der Pirsch und Bewegungsjagden). Angelockt werden die Wölfe dabei meist mit Schlachtabfällen. Solche Jagden an Luderplätzen finden beispielsweise in Spanien, Rumänien und Kanada statt. Die Jagdpraxis in diesen Ländern beweist, dass Luderplätze für Wölfe grundsätzlich sehr attraktiv sind und regelmässig angenommen werden.
    • Es ist bestätigt, dass auch die Wölfe am Calanda die Luderplätze für die Fuchsjagd frequentieren. Dies belegen mehrere Fotofallenaufnahmen und auch entsprechende Spurenfunde. Auch bei einem Augenschein im Januar 2016 konnte anhand des Spurenbildes festgestellt werden, dass sich mehrere Wölfe in unmittelbarer Nähe von Luderplätzen aufhielten.
    • Die Luderplätze für die Fuchsjagd wurden teilweise mit dem Argument verharmlost, dass dort geringe Futtermengen ausgebracht werden, von denen Wölfe nicht satt würden. Entscheidend ist jedoch nicht die Menge an Futter, die an Luderplätzen ausgelegt werden, sondern dass selbst mit kleinen Mengen an Futter eine Lockwirkung erzeugt wird. Eine Lockwirkung für Wölfe erzeugen nicht nur Schlachtabfälle, sondern auch Tierfutter und Speisereste.
    • Die Abschussbewilligung für zwei Jungwölfe, die im Dezember 2015 erteilt wurde, ist eine Folge der vermeintlich problematischen Vorfälle mit Wölfen in den Jahren 2014 und 2015. Es wird davon ausgegangen, dass sich dabei primär Jungwölfe des Jahrganges 2014 wenig scheu verhalten haben. Viele siedlungsnahe Luderplätze wurden erst seit Ende 2014 aufgehoben. Die Prägung von Jungwölfen findet im ersten Lebensjahr statt. Zum Zeitpunkt der Prägung der Jungwölfe von 2014 waren also noch zahlreiche problematische Luderplätze vorhanden.
    • Im Winter 2015/2016 waren nachgewiesenermassen mehrere Luderplätze in Siedlungsnähe im Streifgebiet des Calandarudels noch in Betrieb (dokumentierte Beispiele finden sich in der Medienmitteilung vom 11. Februar 2016, weitere bisher undokumentierte Beispiele liegen vor). Diese wurden teilweise in den letzten Wochen aufgehoben, teilweise werden sie möglicherweise ohne Bewilligung weiter betrieben. Auch beim Weiler Kunkels sind in der Nähe von dauerhaft bewohnten Häusern und ganzjährig genutzten Schafställen Luderplätze vorhanden. Bewohnte Weiler wie Kunkels gelten gemäss den Erläuterungen zur Revision der Jagdverordnung von 2015 als Siedlung (Seite 5: ''Als Siedlung im Sinne dieser Verordnung sind dabei Anhäufungen von Gebäuden zu verstehen, welche von Menschen dauernd bewohnt werden (Städte, Dörfer, Weiler).''
    Die Kampagne der GWS richtet sich nicht generell gegen die Passjagd (winterliche Ansitzjagd auf Rotfüchse) und nicht gegen Luderplätze als solches, sondern ausschliesslich gegen Luderplätze in Siedlungsnähe, wobei diese im jeweiligen Kontext betrachtet werden müssen. Die GWS bezieht zu Passjagd und Luderplätzen nur dort Position, wo diese für den Umgang mit dem Wolf relevant sind.

    Die GWS anerkennt, dass nicht nur Luderplätze Wölfe in Siedlungsnähe locken. Auch Speisereste in Siedlungsabfällen, Haustierfütterungen oder die Entsorgung von toten Nutztieren seitens der Landwirtschaft können Wölfe anlocken. Ãœberdies ist im Winter die Nähe des Schalenwildes (v.a. Rehe, Rothirsche) zu Siedlungen ebenfalls ein wesentlicher Grund für die Nähe der Wölfe.

    Ferner findet es die GWS richtig, dass eine Entschädigung der Jägerschaft für den Nachweis einer Wolfspräsenz stattfindet. Die Integration der Jägerschaft ins Monitoring ist grundsätzlich sinnvoll. Zudem bezahlt der Jäger einen Pachtzins (Revierjagd) bzw. das Jagdpatent (Patentjagd) in Erwartung eines gewissen Abschusses. Wenn dieser Abschuss aufgrund der Wolfspräsenz nicht getätigt werden kann, ist das hinzunehmen, da lebendes Wild herrenlos ist. Richtig ist es jedoch, in diesem Fall einen Teil der Kosten der Jagdberechtigung zurück zu erstatten.

    Auch muss betont werden, dass am Calanda keine Verhaltensweisen von Wölfen vorliegen, die eine Gefährdung des Menschen darstellen. Es ist also nicht davon auszugehen, dass die Luderplätze bereits dazu geführt haben, dass Wölfe tatsächlich problematisches Verhalten zeigen. Die obigen Argumente zeigen jedoch, dass die Problematik von Luderplätzen real ist und diese im Sinne der Prävention daher kritisch geprüft und im Zweifelsfall aufgehoben werden sollten.


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