Wolfsnews

News vom 22.05.2017
Aktueller Wolfsbestand im Alpenraum
Eine Auswertung aller verfügbaren Monitoringdaten aus den Alpenländern durch die Gruppe Wolf Schweiz (GWS) zeigt, dass im biologischen Jahr 2016-2017 von einem Wolfsbestand von 75 Rudeln ausgegangen werden kann. Diese Auswertung stellt den einzigen aktuellen und detaillierten Überblick über die Grösse und Verbreitung der Population dar. Nicht enthalten sind in dieser Auswertung Wolfspaare und Einzeltiere. Nicht in allen der festgestellten Rudel konnte in der Auswertungsperiode eine Reproduktion nachgewiesen werden. Als Rudel gelten für die Auswertung territoriale Wolfsvorkommen mit drei oder mehr Tieren.

Der Schwerpunkt der Rudelverbreitung liegt weiterhin in den Südwestalpen in Frankreich und Italien. In den zentralen und östlichen Alpen gibt es erst isolierte Rudelvorkommen, jedoch mit zunehmender Tendenz. Die Präsenz von mehreren Wolfspaaren in den zentralen und östlichen Italienischen Alpen im vergangenen Winter lässt die Vermutung zu, dass sich hier dieses Jahr einige neue Rudel etablieren. Die Aufteilung der Rudel auf die Länder im Alpenraum ist wie folgt:

  • Frankreich: 42 (davon 4 grenzüberschreitend mit Italien)
  • Italien: 33 (davon 4 grenzüberschreitend mit Frankreich)
  • Schweiz: 3
  • Slowienien: 1
  • Diese Zahlen verstehen sich ohne die weiteren Rudel in den jeweiligen Ländern (Slownischer Balkan, Italienischer Apennin).

    Eine aktuelle Verbreitungskarte der Rudelverbreitung steht nachfolgend zur Verfügung. Nicht eingezeichnet sind die benachbarten Wolfspopulationen des Apennins und des Balkans. Wölfe alpinen Ursprungs kommen zwar auch ausserhalb der Alpen vor, bilden dort aber aktuelle keine Rudel (z.B. Zentralmassiv, Jura, Vogesen, Lothringen). Eine Ausnahme ist der Nationalpark Bayerischer Wald, wo sich ein Paar etabliert hat, bei dem der Rüde aus der Alpenpopulation stammt (ausserhalb des gewählten Kartenausschnittes).

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    Zur Methodik

    Die Monitoringaktivitäten in den Alpenländern unterscheiden sich teilweise erheblich. Insbesondere die Frequenz, die Intensität und die Kommunikation sind verschieden. Die Auswertung der GWS nutzt alle verfügbaren Daten. Für Frankreich wird insbesondere das Bulletin d'information du réseaux loup (Ausgabe Bilan du suivi hivernal de la population des loups / Hiver 2016-17) beigezogen. Für Italien, wo der Schwerpunkt der Population im Piemont liegt, dient der Bericht Lo status del lupo in Regione Piemonte 2014-16 als Grundlage. Die Daten aus weiteren Provinzen (Aosta, Ligurien, Lombardei, Venezien, Trentino, Südtirol, Friaul) werden aus weiteren Berichten und Publikationne ergänzt. Aus Slowenien liegen nur wenige Daten zu den Wölfen in den Alpen vor, da sich der Schwerpunkt der dortigen Population im Balkan aufhält. Aus der Schweiz liegen eigene Daten sowie solche der KORA und der Kantone vor.

    Bestände von Wildtieren lassen sich nur ausnahmsweise exakt zählen. Mittels verschiedener Ansätze lassen sie sich aber zuverlässig schätzen. Beim Wolf haben langjährige Praxiserfahrungen verschiedener Wissenschaftler in mehreren Ländern Europas und Nordamerikas gezeigt, dass sich die effektive Bestandesgrösse etwa aus der Anzahl der Rudel multipliziert mit dem Faktor 10 ergibt. In dieser Zahl sind auch Wolfspaare und Einzeltiere enthalten.

    Die aktuelle Zahl der Wölfe in der Schweiz beträgt somit rund 30 Tiere. Im gesamten Alpenraum leben rund 750 Wölfe.

    Gegenüber den Angaben der GWS zur Alpenpopulation vom letzten Jahr, als 50 Rudel ausgewiesen wurden, hat sich der Bestand scheinbar deutlich erhöht. Das Wachstum fiel jedoch moderater aus als dargestellt. Der Grund für die scheinbar deutliche Zunahme liegt darin, dass aufgrund mangelhafter Grundlagen namentlich aus Italien der Bestand im biologischen Jahr 2015-16 unterschätzt wurde. Die 50 Rudel waren damals zu tief angesetzt.

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